Inti Phajsi, Bloqueo und Schule in Bolivien

Hallo liebe Bolivienfreunde,
mir geht es sehr gut in Bolivien und ich habe in der letzten Zeit wieder viel Neues erlebt. Ich merke, wie es langsam immer wärmer wird (bald beginnt hier die Sommerzeit) und damit aber auch immer häufiger zu extremen Regenschauern kommt (Sommerzeit = Regenzeit). Auf dem Rückweg vom letzten Fußballspiel (Bolivar vs. Tigre), bei dem es zu regnen angefangen hatte, hatten sich zum Teil sogar Flüsse auf der Straße gebildet.
Vorletzten Mittwoch haben wir mit der Familie Día de los Muertos gefeiert: In Mexiko wird dieser Tag sehr groß mit vielen Partys gefeiert, während es in Bolivien vielmehr ein familiärer Feiertag ist, für den traditionell sehr viel Brot in unterschiedlichen Formen (versch. Bedeutungen) gebacken wird. Nach dem Glauben der Bolivianer kommen die Verstorbenen am Dienstag um 12.00 auf die Erde und bleiben genau 24h. Am Mittwoch werden für die Verstorbenen Altäre aufgebaut, auf denen Speisen, Getränke und andere Sachen, welche der Verstorbenen gemocht hatte, geschmückt angerichtet werden. Nachmittags gehen viele Bolivianer auf den Friedhof und es wird sehr viel Bier getrunken. Ich habe allerdings meine morgendlichen Brötchen von der tienda unter unserer Wohnung vermisst, denn da alle Familien für diesen Tag große Mengen an Brot selbst backen, gab es für eine Woche kein Brot zu kaufen. 😀
Nun aber zu meiner Arbeit im Projekt:
Mein Projekt – das Inti Phajsi (Aymara für Sonne und Mond = Mann und Frau) – ist eine Organisation, dessen Arbeit darin besteht, den kulturellen, sozialen und politischen Austausch zu fördern, mit dem Ziel ein gutes Zusammenleben in der Gemeinschaft zu schaffen. Selbstbeschreibung: Un espacio educativo, cultural y alternativo para fortalezer a niños, jóvenes y adultos de la ciudad de El Alto y comunidades rurales. Desarrollando, fortaleciendo sus capacidades intelectuales, artísticas y sociales (frei übersetzt: Ein schulischer, kultureller und alternativer Raum, um die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen in der Stadt El Alto und den ländlichen Gemeinden zu stärken – entwickeln und stärken der intellektuellen, kreativen und sozialen Fähigkeiten.).
Dies ist ein viel gelungenes Lied im Inti Phajsi und beschreibt sehr gut für welche Werte mein Projekt steht:
Azul verde o rojo (Blau, grün oder rot)
No importa el color (Die Farbe ist nicht wichtig)
Ni el idioma (Auch nicht die Sprache…)
Raza o religión (…Rasse oder Religion)
Da igual de dónde vienes (Es ist egal, woher du kommst)
Da igual a dónde vas (Es ist egal, wohin du gehst)
Si vives en el campo (Ob du auf dem Land lebst)
O en la gran ciudad (Oder in einer großen Stadt)

Nacemos libres, nacemos iguales (Wir kommen frei auf die Welt, wir kommen alle gleich auf die Welt)
Tenemos derechos universales (Wir haben Rechte, die für alle gelten)
Nacemos libres, nacemos iguales (Wir kommen frei auf die Welt, wir kommen alle gleich auf die Welt)
Los mismos derechos, somos responsables (Die gleichen Rechte, wir haben die Verantwortung )

Meine Arbeit im Projekt ist sehr vielseitig und es entsteht kaum ein eintönigen Arbeitsalltag. Ich arbeite von Dienstag bis Samstag (da samstags im Projekt mehr zu tun ist, als am Montag), bin von ca 9.00 morgens bis 20.00 abends im Projekt. Dabei arbeite ich allerdings nicht den ganzen Tag durch, sondern kann mir meine Zeit relativ frei einteilen, wann ich z.B. esse oder wann ich den Unterricht vorbereite.
Um 12.00 habe ich (außer samstags) mit Laura, einer bolivianischen Freiwilligen des Inti Phajsi, immer abwechselnd zwei 6te Klassen an der Schule „16 de noviembre“ (Das ist hier sehr üblich, dass Schulen, Plätze, Straßen und Zonen nach Daten, welche eine Bedeutung in der Geschichte haben, benannt werden. Der 16. November zum Beispiel hat eine besondere Bedeutung für die Zone, in der die Schule liegt.). Dafür haben wir von dem jeweiligen Lehrer Themengebiete bekommen, aus denen wir frei wählen können, was wir mit der Klasse machen. So haben wir u.a. schon Unterrichtsstunden über den Klimawandel (Umwelt), die Artikel (Sprache) und gesundes Essen (Biologie) vorbereitet.
Das Inti Phajsi bietet den Schulen hiermit einen alternativen Unterricht an, welcher mit viel Körperbewegung (Aufwärmübungen), Förderung der Kreativität und des eigenständigen Denkens der Kinder und der Entwicklung eines Bewusstseins für Ihre Rechte verbunden ist.
Es macht mir sehr viel Spaß den Unterricht vorzubereiten, Plakate zu gestalten und mit den Kindern zu spielen und wenn etwas zurück kommt und ich merke, dass auch die Kinder Spaß daran haben und interessiert mitarbeiten, dann habe ich das Gefühl, auf jeden Fall etwas richtig zu machen.
Nachmittags bin ich dienstags in Huacathaci (einer Zone am Rand von La Paz) in einem Kulturzentrum und gebe dort einen Englisch-Workshop. Mit den Kindern habe ich schon Grundvokabeln (Zahlen, Farben, Tiere, Obst und Gemüse, usw.), die Begrüßung und einfache Phrasen (What’s your name?; Where are you from?; How are you?) gelernt. Der Workshop ist freiwillig für die Kinder in der Umgebung und leider habe ich jedes mal „nur“ 3-6 Kinder, doch diese haben auch wirklich Interesse daran Englisch zu lernen. Und das ist auf jeden Fall besser, als 20 unmotivierte Kinder, die eigentlich gar keine Lust haben!
Am Mittwoch bin ich nachmittags im Inti und bin mit drei anderen bolivianischen Freiwilligen Teamer der Gruppe 5to-6to. Fast jeden Tag kommen die ca. 8 Kinder der Gruppe in das Projekt um neben der Schule ein wenig weiter zu lernen. Die Themen Sprache und Mathematik wechseln sich alle zwei Wochen ab. Jeden Mittwoch werden die Hausaufgaben aus der Schule mitgebracht und gemeinsam mit uns bearbeitet. Es ist allerdings keine Seltenheit, dass die Kinder auch mal ihre Hausaufgaben vergessen, denn dann werden Spiele gespielt. 😉
Am Donnerstag und Freitag gehe ich nachmittags in die Schule Bolivia Mar (Name ist angelehnt an den ewigen Kampf Boliviens den im Salpeterkrieg (1879-1884) an Chile verlorenen Meereszugang wieder zu erhalten – auch ein sehr beliebtes Unterrichtsthema in den Schulen). Dort haben wir täglich zwei vierte Klassen mit denen wir Themen der Mathematik, Sprache und Naturwissenschaften (Experimente) behandeln.
Das Schulsystem in Bolivien ist – soweit ich es jetzt schon durch meine Arbeit in den Schulen beurteilen kann – sehr anders als das Deutsche. U.a. bekommen die Schüler jedes Jahr 2000 Bs. als Prämie dafür, dass sie zur Schule gehen. Dies soll wohl zum Einen ein Anreiz für die Eltern sein, ihre Kinder zur Schule zu schicken und ist zum Anderen dafür gedacht, Schulmaterialien zu bezahlen.
Schule läuft im Allgemeinen sehr anders ab und die Einstellung und Mitarbeit der Klasse hängt stark vom Durchsetzungsvermögen des Klassenlehrers ab. Es gibt Lehrer, die sich Respekt verschaffen, wobei die Kinder aber größtenteils Angst vor dem Lehrer haben und es gibt Lehrer, die sich nicht wirklich durchsetzen. So ist es völlig normal, dass die Kinder während des Unterrichts durch das Klassenzimmer laufen, herumgröhlen, sich auf und unter den Tischen befinden, den Klassenraum verlassen, Fangen und Murmeln werfen spielen, die Jungs sich gegenseitig in die Haare kriegen und allgemein eine sehr große Lautstärke herrscht.

Eine weitere Sache, die mich im letzten Monat beschäftigt und auch bewegt hatte, waren die Bloqueos vom 7. bis 13. Oktober:
Am 7. Oktober fingen die Proteste in El Alto an, welche auch mich direkt betreffen, da die Straßenblockaden direkt auf meinem Arbeitsweg (Avenida 6 de marzo – die Hauptstraße für den Waren- und Menschentransport nach und aus El Alto) liegen. Die Leute des Distrikt 8 (Senkata, Ventilla) demonstrieren in Form von Straßenblockaden dagegen, dass die Regierung nicht in Verbesserungen der Lebensbedingungen der Einwohner investiert, obwohl genug Geld vorhanden wäre. Zum Beispiel haben Teile von Senkata noch nicht einmal einen Wasseranschluss und die Straßen sind kaum oder sehr schwer zu befahren (Sand-Schotter-Pisten).
Die erste Woche verlief alles noch relativ friedlich. Nach einer gewissen Zeit fingen die Cholitas (traditionell gekleidete Frauen der Aymara-Kultur) dann jedoch an dicke Steine vor die Minibusse und die Jugendlichen mit kleinen Kieselsteinen auf die Autos zu werfen. Jeden Morgen musste ich immer noch ein kleines Stück laufen, da die Busse nicht ganz durchgekommen sind – vorbei an abgebrannten Autoreifen, patroullierenden Polizisten und Cholitas, welche Getränke und Speisen verkauften.
Die Regierung versprach den Einsatz von 1.200 Polizisten, um einen freien Verkehr zu gewährleisten und die Zahl der Demonstranten belief sich auf ca 3.570.
Am Dienstag, den 11. Oktober ist die Situation jedoch plötzlich eskaliert: Die Polizei hat Tränengas eingesetzt, um die Blockade zu durchbrechen und Gewalt, um die Straße zu räumen. Zu der Zeit, hatten einige Kollegen aus dem Inti die Kinder aus ihren Häusern geholt, um sie zum Nachmittagsunterricht ins Projekt zu bringen, haben aber dann, als ihnen bewusst war, was auf der Straße vor sich ging, die Kinder sofort wieder zurück gebracht. Die Kollegen haben mir im Nachhinein berichtet, dass sie selbst in weiter entfernten Seitenstraßen Probleme beim Atmen und ihre Augen gebrannt hatten. Außerdem soll eine Frau die Polizisten auf die kleinen Kinder hingewiesen haben und versucht haben, sie zum Aufhören zu bewegen, und soll daraufhin von der Polizei zusammengeschlagen worden sein.
Am darauf folgenden Tag gab es dann eine Versammlung der Sprecher der Gemeinden und der örtlichen Verwaltung: Die Bloqueo wird aufgelöst und dafür soll die Verwaltung innerhalb von 90 Tagen erste Ergebnisse der Verbesserungsarbeiten in der Zone vorweisen können. Bis jetzt ist noch nichts passiert. Mal sehen was die Zukunft bringt…

Bis zum nächsten Mal
Eure Irina 🙂

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Yungas und Valle de la Luna

Hallöchen 🙂 ,
es passiert so viel in der letzten Zeit, sodass ich erst jetzt dazu gekommen bin, wieder zu schreiben.
Doch jetzt hört ihr endlich auch mal wieder etwas von mir:
Vorletztes Wochenende haben Alisa und ich mit der Gastfamilie einen Ausflug in die Yungas gemacht. Mit dem Bus – voll gepackt mit der Familie, den Nachbarn, unserem Mittagessen und drei Mountainbikes auf dem Dach – ging es los auf die sogenannte „Death Road“, einer etwas schmaleren Straße, welche das Tal hinunterführt. Das war schon sehr beeindruckend: Zwei Wegstrecken durften wir sogar mit den Mountainbikes am Abgrund entlang runterfahren. Mit Adrenalin im Blut sind wir so insgesamt zwei Stunden die Schotterpiste hinunter, an Wasserfällen vorbei und haben die unglaublich schöne Landschaft genossen. Am Ende hatten wir beide einen Krampf in den Händen, da man natürlich die gesamte Strecke die Handbremsen angezogen haben muss.
Ebenfalls beeindruckend war, wie schnell sich das Klima geändert hat: Auf einer Höhe von ca. 4000m war es noch so kalt, dass wir mit Winterjacke, Schal und Mütze losfuhren, doch je weiter wir hinunter fuhren, desto wärmer wurde es, bis wir schließlich auf ca. 1200m Höhe mitten im Dschungel angekommen waren. Innerhalb dieser Fahrt haben wir so fast alle Klima- und Ökozonen Südamerikas durchquert.

 

Zwischendurch haben wir immer wieder kleine Pausenhof gemacht und die atemberaubende Aussicht auf die Schlucht genossen. Unten auf einer Raststätte angekommen haben wir das mitgebrachte Mittagessen warmgemacht und es uns auf Decken mit dem leckeren Essen gemütlich gemacht. Da wir kein Besteck mit hatten, haben wir mit den Händen gegessen – was in Bolivien sogar relativ üblich ist. Zu Anfang erschien mir das noch etwas unangenehm, aber schon bald hab ich mich in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt und eine Technik herausgefunden, wie man auch Salat & Co relativ appetitlich essen kann. 😀
Ziemlich erschöpft sind wir gegen Abend dann wieder mit dem Bus hochgefahren. Das war wirklich ein sehr beeindruckender Tag gewesen, der uns sehr viel Spaß gemacht hat!

 

Letzten Sonntag haben wir Freiwillige der Valle de la Luna (Tal des Mondes) einen Besuch abgestattet. Laut der Aussage des Busfahrers soll dies der Ort sein, auf den Neil Armstrong vom Mond aus gezeigt haben soll, da sich die Landschaft von der Umgebung sehr abhebt…ob man das nun glauben soll, ist jedem selbst überlassen. Sehr schön anzuschauen ist das Relief auf jeden Fall: Das Tal besteht aus tausenden Felsen und Felsspalten, wobei kraterähnliche Formen entstehen. Mich beeindruckt immer wieder, wie vielseitig die Natur in einem so kleinen Umkreis sein kann! Bei wunderbarem Wetter haben wir mit einem Picknick dort dann noch den Sonnenuntergang genossen, bis wir von einer Aufseherin weggeschickt wurden.

 

Und noch eine andere Sache: Sehr schnell habe ich auch ein ganz anderes Gefühl für Entfernungen bekommen: Der Weg von La Paz (Innenstadt) bis zu mir nach Hause dauert etwas über eine Stunde und wenn ich z.B. jemanden unten in La Paz treffen möchte, ist das für mich ein „Ich komme kurz mal runter“. Die gleiche Zeit würde ich von mir zu Hause in Deutschland nach Hamburg brauchen, wo ich nicht sagen würde „Ich komme mal kurz vorbei“… 😀

 

Das nächste Mal werde ich dann über mein Projekt „Inti Phajsi“ berichten und wie die ersten Arbeitstage waren!

 


¡Hasta luego! 
Eure Irina

Bienvenido en Bolivia – Die erste Woche

¡Hola amigos!

Die Zeit vergeht so unglaublich schnell – es ist tatsächlich schon eine Woche her, seit meine Familie mich zum Bahnhof in Kiel gebracht hat, wir Freiwilligen einen Zug- und Flugmarathon mit zwei Koffern und Handgepäck hinter uns haben und schließlich in Santa Cruz in Bolivien gelandet sind. Doch in dieser kurzen Zeit ist schon so wahnsinnig viel passiert!
Die ersten drei Tage haben wir September-Freiwilligen zusammen auf dem Ankommensseminar in Santa Cruz verbracht und haben letzte Tipps für unser weltwärts-Jahr bekommen. Wir wurden in einer Finca untergebracht, welche nicht nur im Vergleich zum Rest des Stadtviertels unglaublich luxuriös war: Jeder hatte ein Einzelzimmer mit angrenzendem Bad, es gab WLAN (was – wie ich gelernt habe – eher eine Seltenheit in Bolivien ist) und wir wurden mit drei großen Mahlzeiten und zwei refrigerios (= Zwischenmahlzeiten zur Erfrischung) am Tag mehr als reichlich versorgt. Schon in den ersten Tagen fiel mir auf, dass die Bolivianer gerne viel Zucker in Getränken und Speisen verwenden. Zum Beispiel die Fruchtsäfte sind nach meinem Geschmack viel zu überzuckert, aber von ehemaligen Freiwilligen habe ich schon gehört, dass man sich im Laufe des Jahres daran gewöhnen wird 😀 !
Nachdem wir am letzten Abend des Seminars noch eine kleine Feier, bei der auch ein paar August-Freiwillige vorbeischauten, veranstaltet haben, ging es am nächsten Tag für alle endlich auf den Weg in ihre jeweiligen Wohnorte – für mich also nach El Alto/La Paz. Die Busreise nach La Paz war ungelogen die bequemste Busreise meines Lebens: In Bolivien gibt es für Langstrecken nämlich sogenannte Cama (= Bett) Busse, wo jeder Sitzplatz, eher als Sessel bezeichnet werden sollte, den man dann auch noch um 160° nach hinten klappen kann. Innerhalb der 16 Stunden Fahrt, gab es zudem noch drei Filme zu sehen, wobei ich jedoch mindestens zwei von diesen verschlafen hab 😉 .
Angekommen in El Alto wurde ich u.a. von meiner zukünftigen WG-Kumpanin Alisa in Empfang genommen und nach einer kleinen bolivianischen Verspätung wurden wir von unserem Gastvater Santos abgeholt und in unsere Wohnung gebracht. Noch am selben Tag haben Alisa und ich uns mit ein paar Lebensmitteln und u.a. einer riesigen Menge an Obst eingedeckt (für umgerechnet ca. 15€). Orangen, Melone, Kiwi & Co. sind hier nicht nur super günstig im Vergleich zu Deutschland, sondern schmecken auch viel besser – besonders die Bananen!!
Gleich am nächsten Tag (Dienstag, 13.9) ging es los mit den ersten Behördengängen in La Paz für das Visum. Nach einem vollen Tagesprogramm inkl. Besuche beim Anwalt, Notar und der Bank haben wir Freiwilligen den Tag in der deutschen Kuchenstube mit Erdbeersmoothie und Zimtschnecke ausklingen lassen. Am Dienstagabend bin ich dann auch zum ersten Mal mit dem teleférico gefahren! Das ist eine Gondelanlage, welche seit ca. zwei Jahren die Einwohner von El Alto den Berg hinunter nach La Paz und andersherum befördert. Es war schon dunkel, als wir in die Gondel einstiegen, sodass wir den Ausblick über das Lichtermeer von La Paz genießen konnten. Das war wirklich unglaublich toll!
Was die Eigenarten des Verkehrs in Bolivien betrifft, durfte ich am nächsten Morgen kennenlernen: Es gibt keine Sitzgurte, es wird gequetscht bis zum Autodach und Verkehrsregeln (…was war nochmal rechts vor links?) gibt es nicht – außer: „Wer zuerst hupt, der hat Vorfahrt!“ Bushaltestellen gibt es auch kaum – also wenn du mit einem Micro-Bus fahren willst, stellst du dich einfach an die Straße und signalisiert dem vorbeifahrenden Busfahrer irgendwie, dass du mitfahren möchtest. Auch Zugfahren ist in Bolivien eine Rarität, was ich besonders festgestellt habe, als unser Taxifahrer in El Alto einem heranrollenden Zug Platz machen musste und uns mit großen Augen anschaute, denn einen Zug hat er in dieser Gegend in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen!! 😀 Es ist noch ein wenig abenteuerlich hier von A nach B zu kommen, doch schon nach einer Woche merke ich, wie sich bei bestimmten Strecken ein wenig Routine einstellt.
Auch den Fußweg nach Hause habe ich mir, nachdem ich mich in einer Nacht verlaufen hatte, mittlerweile gut eingeprägt. Man muss besonders in meinem Wohnviertel auch ein wenig auf die herumstreunenden Hunde Acht geben, da diese zum Teil sehr aufdringlich und eventuell aggressiv werden könnten und – nach den Worten eines Mitfreiwilligen – sollte ich, falls mich ein Hund beißt, ihm am besten noch hinterher rennen, um zu schauen, ob er ein grünes Halsband trägt, welches aussagt, dass dieser Hund geimpft wurde. Diese Info könnte ganz hilfreich für den anschließenden Arztbesuch sein. Bisher hab ich jedoch keine Bekanntschaft mit einem wirklich gefährlichen Hund gemacht und das kann auch gerne so bleiben 😀 !
Bald werde ich auch in mein Projekt Inti Phajsi hineinschnuppern und ich freue mich schon sehr darauf zu sehen, wie ich das nächste Jahr verbringen werde. Momentan genieße ich die Zeit meine neue Heimat für ein Jahr und ganz besonders ihre Menschen kennenzulernen und bin sehr gespannt, was ich noch alles erleben werde!

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Die anderen Verrückten und ich auf dem Flug nach Bolivien
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In Santa Cruz laufen die Kühe und Pferde auf der Straße herum
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Erste Fahrt mit einem kofferbeladenen Micro
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Die wunderschöne Aussicht auf unsere Finca vom Wasserturm aus
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…Es geht – wieder voll beladen – zum Busbahnhof in Santa Cruz
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La Paz
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Entspannen im Park
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Aussicht auf La Paz bei Nacht vom teleférico aus
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Die September-Crew
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„E“ wie Evo.. 😉

¡Saludos de Bolivia y hasta luego!
Eure Irina 

Die letzten Vorbereitungen

Hallo Bolivienfreunde,

in weniger als zwei Wochen geht es also los nach Bolivien!!! Die erste Ausreisegruppe der BKHW-Freiwilligen (Mitte August) ist jetzt auch schon über zwei Wochen auf der anderen Seite vom großen Teich und sind mittlerweile super angekommen.

Vom 9. bis 17. August haben wir September-Freiwillige auf dem Vorbereitungsseminar im Harz letzte Infos zu Bolivien, dem Freiwilligendienst und der Organisation erhalten und konnten unsere ganzen Fragen loswerden. Wir haben viel Input zu Kolonialismus, Rassismus und zu interkultureller Sensibilisierung bekommen, haben auch selbst Mini-Präsentationen zu diversen Themen über Bolivien gehalten und sehr viele nette Abende mit Kino, Grillen und „Werwolf“ verbracht und sind somit als Gruppe super zusammen gewachsen. Ich bin auf jeden Fall mit einem ziemlich guten Gefühl nach Hause gefahren, da ich mich nun wirklich vorbereitet auf das weltwärts-Jahr fühle!

Vor ein paar Tagen war ich dann in der Stadt und hab mich ein wenig für Bolivien ausgerüstet: Ich habe jetzt u.a. Anden-taugliche Wanderschuhe, einen extrem warmen Schlafsack, damit ich nachts bei den Minustemperaturen in La Paz auch nicht erfriere, eine gute Sonnenbrille als Schutz gegen die hohe UV-Belastung in den Bergen und Adapter, welche gar nicht so einfach zu finden waren, da es in Bolivien anscheinend drei unterschiedliche Steckdosen-Formate gibt!!

Und noch eine weitere Vorbereitung: Da ich nun seit ca. einem Jahr vegan esse und ich in dem fleischfreudigen Land Bolivien nicht um pollo (Hühnchen) & Co herumkommen werde, versuche ich mich so langsam wieder an Käse, Milch und Fleisch zu gewöhnen. Vor ein paar Tagen habe ich dann nach einem Jahr Pause mein erstes Fischbrötchen gegessen und…nun ja…sagen wir mal, es war ganz in Ordnung 😀 !

Die Zeit bis zur Abreise vergeht wie im Flug und es gibt noch ein paar Sachen zu erledigen – wie letze Besuche beim Arzt und Koffer packen. Doch je näher der 8. September rückt, desto größer wird meine Vorfreude!! 🙂

¡Hasta la próxima!

Eure Irina 🙂

Anhang 1
Bolivien-Ausrüstung
Gruppenbild
Vorbereitungsseminar August 2016

So langsam wird’s ernst

Liebe Bolivienfreunde,

in wenigen Wochen geht es los nach La Paz, Bolivien. Vor einer Woche hatten wir unseren Abiball, welcher das Ende der Schulzeit (und des einfachen Lebens) noch einmal verdeutlicht hat. Es ist schon merkwürdig, wie anders alles auf einmal ist: eben haben wir noch alle zusammen die Schulbank gedrückt und nun gehen wir alle ganz verschiedene Wege. Überraschend viele meiner Freunde gehen ebenfalls ein Jahr ins Ausland: Reiseziele sind Australien, Neuseeland, Indien, Mazedonien, England uvm.. Andere beginnen eine Ausbildung und wiederum andere werden – verteilt in ganz Deutschland – studieren. Ich bin schon sehr darauf gespannt, wenn wir uns alle in einem Jahr wiedersehen und ganz viel zu berichten haben!

Nach dieser Woche bin ich dann auch endlich mit meinen ganzen Impfungen (7 Stück insgesamt!!!) und den meisten Arztterminen durch und kann mich auf die schöneren Dinge vorbereiten. Zum Beispiel beginnt nächste Woche mein einwöchiges Vorbereitungsseminar in Tettenborn von meiner Entsendeorganisation, dem BKHW, wo wir letzte Infos zu Land und Leuten, unserer zukünftigen Arbeit und unserem Kofferinhalt bekommen werden.

Zu meinem Geburtstag habe ich ein Reisetagebuch, einen Rucksack, mit dem ich in den Anden sehr gut auf Wandertouren gehen kann und ein Tablet bekommen, sodass mich meine Eltern auch ab und zu mal über Skype zu Gesicht bekommen :D. In den nächsten Wochen werde ich mir dann die noch fehlende Ausrüstung besorgen!

Meine To-Do-Liste ist noch ziemlich lang..

Bis bald, eure Irina 🙂

Noch drei Monate…

Dies ist also mein erster Beitrag auf meinem Reiseblog!

In drei Monaten geht es los nach El Alto/ La Paz (Bolivien) und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren! Ich freue mich schon sehr auf mein freiwilliges Jahr in Bolivien, wo ich viele neue Erfahrungen sammeln, interessante Leute kennen lernen und in eine völlig fr13407693_614583345368373_1548105665_nemde Kultur eintauchen werde! Anfang September geht es los – den genauen Flugtermin bekommen wir in zwei Wochen.

Davor gibt es noch Einiges zu erledigen: Beim Tropenarzt war ich schon, doch jetzt habe ich eine Liste von empfohlenen Impfungen bekommen, die ich noch alle vor meiner Ausreise bekommen soll. Außerdem bin ich dabei meinen Förderkreis weiter auszubauen, um die gewünschten 2.500€ zusammen zu bekommen. Dafür war ich u.a. schon auf dem Flohmarkt und habe dort mit einer Pinnwand über mein Projekt – Inti Phajsi – informiert und den gesamten Verkaufserlös (fast 200€) an das BKHW gespendet. Da der Flohmarktverkauf so erfolgreich war, werde ich beim nächsten Flohmarkt wieder verkaufen und bald werde ich außerdem anfangen zu arbeiten.